Eine Familie – zwei Sprachen

Eine Familie – zwei Sprachen

28. August 2019 Aus Von 2travelkids

Mehrsprachigkeit oder auch Bilingualität

bezeichnet man die Fähigkeit mehr als eine Sprache sprechen zu können. Hierbei gibt es ebenfalls noch einmal Unterteilungen, je nachdem wann das Kind die zweite Sprache erlernt.

Ich befasse mich hier hauptsächlich mit der simultanen Bilingualität und gebe hier Tipps dazu. Das heißt in diesem Fall spricht der eine Elternteil eine andere Sprache als der andere Elternteil und das seit Geburt des Kindes. So ist es auch bei uns: mein Mann spricht nur englisch mit den Kindern und ich nur deutsch seit der Geburt unseres ersten Sohnes.

Wobei ich hier schon den wichtigsten Tipp hier verdeutlichen möchte. Ich habe das nur deutsch und nur englisch unterstrichen. Das A und O um das Ganze überhaupt durchweg praktikabel zu machen ist Klarheit für die Kids!

Jeder Elternteil sollte sich vorher bewusst machen, wie wichtig es für die Kinder ist, dass sie der sichere Ansprechpartner für die jeweilige Sprache ist und es sich darauf verlassen kann adäquat verstanden zu werden. Nur somit ist eine gute Basis der Kommunikation gegeben. Jeder Elternteil sollte in seiner Sprache, die dem Kind übermittelt werden soll, vor allem wohlfühlen und fehler- und akzentfrei sein! Hier lernt das Kind die Sprachen deutlich zu unterscheiden! 

Wie Eltern untereinander sprechen ist vorerst zweitrangig, aber für die Ansprache zum Kind gilt eine Person = eine Sprache! Dies gilt auch, wenn das Kind in der anderen Sprache antwortet! Und das wird definitiv passieren…. Meist antwortet das Kind in der Sprache, mit der es im Alltag am Häufigsten konfrontiert wird.

Auch eine Mischung beider Sprachen ist völlig normal. Wichtig ist, dass auf die Kinder kein Druck ausgeübt wird, da es sonst vermutlich zu einer Verweigerung der nicht so häufig genutzten Sprache kommen wird. Es gilt vor allem mit Bedacht sein Kind zu verbessern, da sonst die Wissbegierde der Kinder auf der Strecke bleiben könnte. Wer ständig nur verbessert wird, erlebt nicht genug Erfolge um am Ball zu bleiben.

 

Allgemeine Verunsicherung

macht sich natürlich immer erstmal breit! Man informiert sich und liest von Nachteilen oder bekommt einfach nur einen sehr dummen Kommentar von Jemanden, der aber eigentlich gar keine Ahnung hat! Aus Neid? Vermutlich! Wir leben leider in einer Gesellschaft aus Missgunst. Eltern können wirklich grauenhaft gegenüber anderen sein, wenn sie das Gefühl haben, das andere Kind könnte nur einen Hauch von Vorteile haben!

Ganz ehrlich: Nicht aus der Ruhe bringen lassen und auf sein Bauchgefühl hören! Ich habe mittlerweile mit vielen Eltern gesprochen, die sich im Nachhinein darüber ärgern, dieses Potenzial nicht genutzt zu haben! Und wenn man einiges beachtet und alle Herausforderungen meistert, ist es ein großes Geschenk für das Kind.

 

Von Anfang an

wird man also mit Aussagen konfrontiert, die behaupten, die Sprachentwicklung verzögert sich. Aber auch hier muss man deutlich machen, dass alle Kinder völlig unterschiedlich sind in ihrer Entwicklung. Die Sprachentwicklung ist ein Entwicklungsprozess, welche jedes Kind in seinem eigenen Tempo erlernt. Unser erster Sohn ist vermutlich das beste Beispiel, dass die Zweisprachigkeit nicht zu einer verzögerten Sprachentwicklung führt. Er hat überdurchschnittlich früh Dinge richtig benannt und sich schnell einen umfangreichen Wortschatz aufgebaut. Deutsche Wörter waren immer in der Überzahl, was darauf zurückzuführen ist, dass dies natürlich unsere Landessprache ist und ihm diese auch außerhalb der Familie häufiger zu Ohren gekommen ist.

Nützliche Tipps für die Umsetzung:

  • eine Person = eine Sprache
  • konsequent bleiben und nicht dem Kind zuliebe in die andere Sprache wechseln
  • das Kind ermutigen die Sprache weiterzusprechen, gerade wenn mal Schwierigkeiten auftreten
  • jedoch niemals zu sehr Druck aufbauen
  • verschiedene Möglichkeiten für die Sprachentwicklung altersgerecht nutzen

 

Im Zeitalter der neuen Medien

ist es nun überhaupt kein Problem genügend Anreize für eine kreative und altersgerechte Sprachentwicklung zu schaffen. Man sollte sein Kind jedoch in diesem Bezug gut beobachten und sensibel auf seine Reaktionen sein, sonst kann es zur Überreizung oder sogar zur Überforderung kommen. 

 

Hilfreiche Materialien:

  • Bücher zum Vorlesen oder auch später zum Selbstlesen. Es gibt für die ganz Kleinen tolle Bücher mit Texten für Fingerspiele und Kniereiter
  • Apps: es gibt sehr gute, aber auch sehr unnütze. Man sollte hier mit Bedacht auswählen und diese nicht einfach zum Zeitvertreib nutzen
  • Spiele: für ältere Kinder z.B. ein Wissensquiz
  • Hörbücher sind ebenfalls eine tolle Investition und regen die Fantasie an

 

Weitere Fördermaßnahmen

sind auch Logopäden einzubeziehen oder das Angebot eine mehrsprachigen Kita zu nutzen. Viele Schulen bieten heutzutage bereits ein breites Spektrum an Sprachen. Und natürlich das soziale Umfeld, denn je mehr das Kind mit einer Sprache konfrontiert wird, desto einfacher fällt das Erlernen!

In vielen Städten werden auch Spielkreise oder Krabbeltreffs (z.B. von Helen Doron) angeboten. Hier hat man die Möglichkeit ein- oder zweimal in der Woche teilzunehmen. Die Kinder lernen so auf unterhaltsame Weise einfache englische Vokabeln und deren Zusammenhang.

Dass eine lange Reise wahre Wunder bewirken kann, stellten wir während unserer 9-wöchigen Elternzeitreise durch die USA und Kanada fest. Und obwohl mein Sohn in Deutschland auf alle englischen Fragen meines Mannes meistens auf deutsch antwortete, legte sich nach 3 Tagen in den USA ein Schalter um und er fing an mehr und mehr englisch zu sprechen. 

Nicht verzweifeln

sollten Eltern, wenn Kinder immer nur auf einer Sprache antworten. Wenn sie adäquat antworten, ist das ja bereits der Beweis, dass sie die Sprache trotzdem verstehen. Es kann auch passieren, dass sie eine Sprache gänzlich verweigern, das kann auch vorkommen, wenn sie diese Sprache vorher schon verwendet haben. Hier rate ich einfach die oben genannten Tipps weiter zu befolgen und keinen Druck auszuüben!

Vermischung beider Sprachen

ist völlig normal! Gerade wenn das Kind sich noch mitten in der Sprachentwicklung befindet. Das Beispiel in unserem Titelbild ist ein typischer “Versprecher” eines Wortes, häufiger kommt es aber auch zu kompletten vermischten Sätzen aus beiden Sprachen. Das wird sich auf Dauer geben, je nach Reife und Alter des Kindes.

 

Also: Mut zur Bilingualität!

Wenn man dahinter steht, kann nichts schief gehen!